Louis ist eigentlich nur sein Spitzname, in Wirklichkeit heißt der neue Trainer des FC Bayern München Aloysius Paulus Maria. Dieser Aloysius Paulus Maria van Gaal tritt trotz seines irgendwie biblisch anmutenden Namens aber keineswegs wie ein barmherziger Samariter oder gar ein Heiliger auf, sondern wie ein autoritärer General, für den das Leistungsprinzip höher anzusiedeln ist als irgendein anderes. Dieses eher unbarmherzige Leistungsprinzip, das an Darwins Gedanken über das Überleben der Stärksten erinnert, verkörpert Louis van Gaal wie kein zweiter. Starallüren gibt es unter Trainer van Gaal nicht, wer keine Leistung bringt, muss ohne Widerworte mit der Reservebank vorlieb nehmen.
Dieser autoritäre, nahezu herrische Tainertypus passt irgendwie nicht in die Zeit des 21. Jahrhunderts. Viele Spieler wünschen sich eher einen Coach, der ihnen wie ein Freund gegenübertritt, nicht wie eine Vaterfigur, die sie absolut zu respektieren haben. Stars wie Luca Toni oder Franck Ribery möchten spielen und auf dem Fußballplatz vor ausverkauftem Hause ihre Klasse zeigen, im Training scherzen sie vermutlich lieber, als sich zu quälen. Laxes Rumgetue gibt es unter Louis van Gaal aber nicht. Wer sich nicht quält, hat keine Chance auf einen Platz in der Startformation. Das ist hart, aber durchaus fair. Denn jeder Spieler hat unter Trainer Louis van Gaal die Chance, mit Leistung in die erste Elf zu gelangen.
Und damit ist das Leistungsprinzip van Gaals eben doch noch mit der heutigen Zeit vereinbar. Denn Fairness und Chancengleichheit gehören zu den größten Pfeilern der Demokratie und der aufgeklärten Welt. Jeder Spieler beim FC Bayern weiß, woran er ist, wenn er weder im Training noch im Spiel 100 % abruft. Thomas Müller beispielsweise hat van Gaals Prinzip verstanden, und deswegen steht er Woche für Woche in der Startelf und erfreut das bayerische Publikum mit schönen Toren.
Das schöne an der Art des neuen Bayern-Trainers ist, dass er jeden gleich behandelt. Er bleibt seiner harten Linie treu und macht keine Ausnahmen. Weder für Mario Gomez noch für Luca Toni noch für den französischen Ballkünstler Franck Ribery. Diese Einstellung macht ihn zu einer Kultfigur, Louis van Gaal ist überzeugt von dem, was er tut. Er wird jene Bayern-Spieler, die sein Prinzip noch nicht verstanden haben, auch noch davon überzeugen können. Ganz bestimmt, sonst wäre er nich Louis van Gaal.
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